Was ich am Studieren vermisse – und was nicht

Bye, Bye Studium!

Mittlerweile ist es schon wieder ein wenig her, dass ich meine Masterarbeit abgegeben habe, mein Studium beendet und meinen neuen Job begonnen habe. Eigentlich wollte ich dem Ende meines Studiums und damit dem Ende eines Lebensabschnitts sofort einen Beitrag widmen. Irgendwie ist aber immer etwas dazwischen gekommen und so schreibe ich heute mit einigen Monaten Abstand über mein Studium. Ich denke, ich kann definitiv sagen, dass die Studienzeit eine der schönsten Zeiten meines Lebens war  – wobei ich natürlich noch nicht weiß, was mich in Zukunft erwartet. Aber so viel Freiheit, wie ich sie in den letzten fast sieben Jahren hatte, werde ich sie wohl nie wieder haben. Das heißt jedoch nicht, dass das Studium der reinste Spaziergang war. Es gab definitiv auch anstrengende Phasen und Dinge, die ich absolut nicht vermissen werden.

Freie Zeiteinteilung – ein Segen und ein Fluch

Klar hat man im Studium auch fest Termine und kann nicht völlig frei über seine Zeit verfügen. Im Gegensatz zu einer 40-Stundenwoche im Job ist man jedoch wesentlich flexibler. Generell ist das etwas, was ich sehr vermisse. Spontan reisen, das Studium eine Zeit lang hinten anstellen und sich stattdessen voll und ganz einem Hobby widmen, unter der Woche shoppen oder Frühstücken gehen und dafür am Sonntag an der Hausarbeit schreiben, wenn ohnehin kein Laden auf hat und die Cafés überfüllt sind. Allerdings hat die freie Zeiteinteilung auch ihre Nachteile. Aufschieberitis und Prokrastintion lassen grüßen. Oftmals habe ich den ganzen Tag mit Netflix im Bett gelegen, um dann abends halbherzig ein Projekt fertigzustellen, dass am nächsten Tag abgegeben werden musste. Ich habe Deadlines immer eingehalten, aber oftmals hatte ich das Gefühl, dass meine Leistung unter meinem Last-Minute-Verhalten gelitten hat. Hinzukommt, dass ich entspannte Tage oft nicht wirklich genießen konnte, weil ich immer im Hinterkopf hatte, dass da noch diese eine Hausarbeit auf mich wartet, an der ich eigentlich weiterschreiben sollte. Eine Freundin, die schon etwas vor mir mit dem Studium fertig war meinte, dass das beste daran in einem festen Job zu arbeiten die Tatsache ist, dass man nach Feierabend wirklich abschalten kann. Egal wie stressig der Arbeitstag war – abends kann man loslassen, gemütlich eine Serie schauen, etwas mit Freunden unternehmen oder zum Sport gehen und sich erst am nächsten morgen mit frischem Blick wieder den Herausforderungen des Jobs widmen.

Studieren

Eine Zukunft voller Möglichkeiten

Wenn man nicht gerade einen Studiengang mit einem festen Berufsziel wie etwa Lehramt oder Medizin studiert, dann steckt die berufliche Zukunft noch voller verschiedener Möglichkeiten und Träume. Mit meinem Studium kann ich theoretisch in gefühlt 1000 Richtungen gehen. Ein paar davon habe ich von Anfang an ausgeschlossen, aber in anderen habe ich mich gerne durch Praktika ausprobiert und so viele spannende Berufe kennen gelernt. Dementsprechend wusste ich im Studium nie zu 100 Prozent, wohin es mich treibt. Mit jeder beruflichen Station definiert man sein Profil jedoch etwas stärker. Das eröffnet einem im gewählten Berufsfeld mehr Chancen, schränkt aber in anderen ein. Ich werde vermutlich nie als Lektorin einem Verlag arbeiten oder als Reporterin für einen großen Fernsehsender um die Welt reisen, wie ich mir das ab und an im Studium gerne vorgestellt habe. Andererseits – es ist nie zu spät noch mal von vorne anzufangen. Man muss nur bereit dazu sein.

Bildung und Einbildung

Ich glaube ich habe es viel zu spät zu schätzen gelernt, wie viel Wissen man durch ein Studium mitnehmen kann. Ich habe ein geisteswissenschaftliches Fach studiert und hier geht es sicherlich vielen so wie mir: Oftmals fragt man sich, was man mit dem, was man dort lernt eigentlich anfangen soll. Im Nachhinein denke ich, dass ich sehr viele spannende Blickwinkel kennen gelernt habe und vor allem die Fähigkeit erlernt habe, Dinge zu hinterfragen. Der Zugriff auf so viel Bildung ist meiner Meinung nach etwas, dass man wirklich genießen sollte. Gleichzeitig hat es mich immer schon wahnsinnig genervt, wie viel manche Leute, seien es andere Studenten oder Dozenten sich auf ihr Wissen einbilden und in welch hochgestochener Form die banalsten Informationen präsentiert werden müssen. Oftmals ist die Devise in wissenschaftlichen Texten nicht etwa, Sachverhalte möglichst einfach und für jeden verständlich zu erklären, sondern darzustellen, wie schlau man doch ist, indem man mit Fachbegriffen um sich schmeißt. Das werde ich auf jeden Fall nicht vermissen.

Wie sieht es bei euch aus? Habt ihr studiert oder tut es noch und was gefällt euch dabei sehr und was gar nicht?

 

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