Warum ich (noch) nicht zur Minimalistin werde

Anfang des Jahres habe ich beschlossen, in meinem Alltag mehr auf Nachhaltigkeit zu achten und euch auch hier auf dem Blog an dieser Reise teilhaben zu lassen. Ich bin noch weit davon entfernt, ein wirklich nachhaltiges Leben zu führen und arbeite mich in kleinen Schritten voran. Zur Inspiration verfolge ich dabei auch viele andere Blogger, Instagram-Accounts und Youtuber. Und eine Sache fällt mir immer wieder auf: Viele davon misten erst mal die Hälfte ihres Kleiderschranks aus, wenn sie sich entscheiden, nachhaltiger zu leben.

Nachhaltigkeit = Minimalismus?

Ich habe das Gefühl, Nachhaltigkeit und Minimalismus werden häufig gleichgesetzt. Auf lange Sicht ist das vermutlich auch so. Schließlich kaufe ich mittlerweile viel weniger und achte stark darauf, dass ich die Dinge, die ich kaufe, auch wirklich brauche. Allerdings fangen die wenigsten von uns vermutlich als geborene Minimalisten an. Ich zumindest habe mit einem überquellenden Kleiderschrank gestartet. Der wird zwar aktuell nicht groß weiter gefüttert – überquellen tut er aber trotzdem noch. Schließlich mag ich all die Fast Fashion Artikel, die sich darin befinden nach wie vor. Und auch wenn ich Dinge aktuell nicht trage: Solange sie noch passen und sich in einem guten Zustand befinden, werde ich mich vermutlich irgendwann darüber freuen, sie zu besitzen. Schließlich kommen Trends immer wieder und unser Geschmack verändert sich.

Meine Leidenschaft für Mode ist nach wie vor da. Ich kann mein Kaufverhalten von früher nicht ändern und deshalb bin ich ganz froh, dass ich meine gefühlten 500 H&M Kleidchen noch besitze. Mit der Zeit wird mein Schrank vielleicht ein wenig leerer werden, schließlich haben die meisten Fast Fashion Teile nur eine begrenzte Lebenszeit, aber bis dahin werde ich mich an der großen Auswahl erfreuen und ab und an mal etwas nachkaufen.

Ich möchte den Dingen, die ich einmal gekauft habe, ein möglichst langes Leben schenken und sie nicht sofort gegen nachhaltigere oder fairer produzierte Dinge austauschen. Was bringt es denn, wenn ich die zehn Tupper-Dosen in meinem Regal mit drei Blechdosen ersetze oder alle meine H&M-Sachen verkaufe und von nun an nur noch in ArmedAngels rumlaufe? Das sieht im Instagram-Feed vielleicht besser aus, aber wirklich geholfen ist damit niemandem.

Minimalismus für die Seele

Ich denke, Minimalismus und Nachhaltigkeit gehen in vielen Punkten einher – und wie gesagt, ich führe noch lange kein wirklich nachhaltiges Leben. Dennoch ist Minimalismus für mich aktuell nicht der richtige Weg. Denn mir fehlt die Motivation, meinen Alltag damit einfacher zu gestalten. Einer der Vorzüge des Minimalismus ist die Reduktion an Entscheidungen, die man täglich treffen muss. Hat man nur ein paar Kleidungsstücke zur Auswahl, muss man sich am Morgen viel weniger Gedanken darüber machen, was man denn nun am besten anzieht. Dadurch hat man den Kopf frei für wichtigere Entscheidungen. Das erscheint mir durchaus plausibel. Allerdings genieße ich es momentan, morgens vor dem Schrank zu stehen und zu überlegen, was ich anziehe. Das ist für mich ein kleines Ritual und ich habe nicht das Gefühl, dadurch gestresst zu sein. Klar, in manchen Phasen trage ich bestimmte Dinge viel öfter als andere. Aber das ergibt sich von ganz allein und bedeutet nicht, dass ich die Kleider, die in dieser Zeit im Schrank weiter nach hinten rutschen danach nie mehr tragen möchte.

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