Hanna über… das Bedürfnis etwas Besonderes zu sein und trotzdem irgendwie dazu zu gehören

„Findest du nicht, dass Leute mit Tattoos viel interessanter sind?“, fragte ein guter Freund mich, nachdem er seit gut einer Stunde über nichts anderes gesprochen hatte. „Ist mir eigentlich egal“, antwortete ich, langsam etwas genervt von dem Thema. „Ein Tattoo ändert ja nicht, wer du bist.“ „Aber…“, begann er und versuchte mit einem endlosen Schwall an Worten mich von etwas zu überzeugen, von dem ich doch nicht zu überzeugen war. Ich konnte seine Faszination mit den Tattoos ja irgendwie verstehen. Für ihn stellten sie etwas Besonderes da, etwas womit man sich von der Allgemeinheit abgrenzen konnte. Und das war ihm wichtig. 
Ich kenne dieses Gefühl selbst gut. Man will anders als die anderen sein. Besonders. Der Gedanke nur einer von mehr als sieben Milliarden Menschen zu sein, bereitet einem Kopfschmerzen. Wie sollen sich andere an einen erinnern, wenn man nicht aus der Masse heraussticht und nur mit dem Strom schwimmt? Großteile meiner Teenie Zeit habe ich damit verbracht, etwas an mir zu finden, dass mich von anderen abhebt. Ich habe meine Haare kurz geschnitten, habe Bands gehört, die auf keinem Radiosender gespielt werden und habe Gedichte über den Tod und gebrochene Herzen geschrieben, obwohl mein eigenes kleines Herz noch ziemlich intakt war.
Und doch: So ganz besonders und einzigartig sein, das wollte ich dann doch nie. Denn wenn die eigenen Interessen sich komplett von denen aller anderen Menschen unterscheiden, dann steht man am Ende vermutlich alleine da. Viel näher lag es also, sich einer Randgruppe anzunähern. Dem Club der Leute, die anders sein wollen und dabei alle gleich sind, anzuschließen. Bei meinem Kumpel sind das die Leute mit Tattoos. Versteht mich nicht falsch, ich will damit nicht sagen, dass der einzige Grund sich ein Tattoo stechen lassen der ist, dass man dazu gehören möchte. Ich selbst schließe es nicht aus, mich irgendwann tätowieren zu lassen. Weil Tattoos eben schön sind und weil man damit sicher etwas ausdrücken kann. Sie sind ein Accessoire, das für immer auf der Haut bleibt.

Aber eigentlich wollte ich gar nicht über Tattoos reden. Denn für mich sind Leute mit Tattoos eben nicht interessanter, als Leute ohne. Für mich sind sie, so blöd das klingen mag, alle Menschen.  Und – oh je, jetzt wird es noch kitschiger – es sind sowieso keine zwei Menschen gleich. Dafür besonders zu sein, anders zu sein, muss man gar nichts tun. Man ist es, ob man will oder nicht. Von Geburt an. In einigen Eigenschaften sind sich vielleicht viele Menschen ähnlich, doch es kommt auf die Zusammensetzung an. Wie – ich glaube es war – Aristoteles so schön sagte: „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“ und so ist jeder Mensch ein ganz einzigartiger Mix aus einzelnen Teilen, die es vielleicht Millionenfach geben mag, die in dieser Kombination aber nur einmal auftauchen. 

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6 Kommentare

  1. Owe, sich ein Tattoo anzuhängen um dazuzugehören und/ oder anders zu sein, ist wirklich eine schmerzvolle und langanhaltende Tat. Lieber ungewöhnliche Frisuren und abgefahrene Kleidung tragen. Das lässt sich beides wieder Rückgängig machen. Eines Tages kommt jeder auf deine/die Erkenntnis. Und spätestens dann kann es sein, dass das Tattoo unter die Rubrik Jugendsünde fällt.

  2. Deine Art zu schreiben ist wirklich sehr schön und ich denke, dass viele Menschen und besonders Jugendliche sich über dieses Thema Gedanken machen. Ein Beitrag, der zum Denken anregt – gefällt mir.

    Lieben Gruß Ina
    http://inaisst.blogspot.de/

  3. ich mag es sehr wie du schreibst, echt schön 🙂

  4. Danke, das freut mich zu hören. 🙂

  5. Genau das denke ich mir auch, aber leider trifft man immer wieder solche Leute.

  6. Vielen Dank für die Lieben Worte. 🙂

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